Wolfgang Mieder: »Entwirrte Wendungen«

Wolfgang Mieder:
»Entwirrte Wendungen«. Modifizierte Redensarten in Literatur, Medien und Karikaturen
[= Kulturelle Motivstudien; 18]

2018, ISBN 978-3-7069-0997-6, 558 S., geb.
€ [A] 38,00 / € [D] 37,00

  

Es dreht sich um hundert der bekanntesten deutschen Redensarten, darunter „im selben Boot sitzen“, „die erste Geige spielen“, „das Kind mit dem Bade ausschütten“, „das fünfte Rad am Wagen sein“ und „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“. Jede sprichwörtliche Redensart hat ihr eigenes Kapitel, das mit einem kurzen Kommentar und Quellenbelegen zum Ursprung, zur Überlieferung und Bedeutung beginnt. Darauf folgen Texte aus der modernen Literatur und den Medien. Im Ganzen dreht es sich um 2.314 Textbelege, also im Durchschnitt um 23 moderne Auseinandersetzungen mit Redensarten pro Kapitel. Bei diesen modifizierten Redensarten oder „entwirrten Wendungen“ handelt es sich zu einem großen Teil um Aphorismen, die ihre Metaphorik und traditionelle Bedeutung auf humorvolle, ironische oder satirische Weise hinterfragen. Gedichte, Sprüche, Graffiti und Slogans kommen hinzu, und das Buch enthält auch 152 Abbildungen in der Form von Karikaturen, Witzzeichnungen und Reklamen. So kommen nicht nur bekannte Autorinnen und Autoren wie Rose Ausländer, Elazar Benyoëtz, Bertolt Brecht, Elias Canetti, Marie von Ebner-Eschenbach, Erich Fried, Ulla Hahn, Erich Kästner, Karl Kraus, Günter Kunert, Dorothea Macheiner, Friedrich Nietzsche und Gerhard Uhlenbruck zu Wort, sondern auch anonyme Sprücheklopfer, Journalisten und Werbetexter.All diese  Manipulationen und Verfremdungen von überlieferten Redensarten setzen voraus, daß Tradition und Innovation sich gegenseitig erhellen; daß also die ursprüngliche Redensart in dem Verständnis der neuartigen Umformulierung mitspielt. Es geht bei der modernen Infragestellung dieser vorgeformten Sprachmuster zum Teil um Wortspiele aber auch um Denkspiele, die auf dem Wege kurzer Aussagen zu beachtlichen Erkenntnissen über das moderne Leben führen.