Czernilofsky/Kremnitz (Hg.): Trennendes – Verbindendes

Czernilofsky, Barbara / Kremnitz, Georg (Hg.): Trennendes – Verbindendes. Selbstzeugnisse zur individuellen Mehrsprachigkeit. ISBN 978-3-7069-0204-5. Broschiert, 2003, IX + 181 Seiten. €-A 26,90; €-D 26,20

Die Idee, ein Buch mit Selbstzeugnissen zwei- und mehrsprachiger Sprecher herauszugeben, entstand durch die Beschäftigung mit literarischer Mehrsprachigkeit, insbesondere mit den Fragen zu den Motiven von Sprachwechsel bzw. Verwendung mehrerer Sprachen bei Autoren. Die Gründe finden sich meist in den persönlichen Biographien und sind oft an einschneidenden biographischen Erlebnissen festzumachen. Der vorliegende Band ist eine Zusammenstellung von Beiträgen zwei- und mehrsprachiger Menschen, die verschiedenen Generationen angehören und deren Vielsprachigkeit auf ganz unterschiedliche Kontexte zurückgeht. Das bewirkt, dass die Herangehensweise an die Fragestellung und die Schwerpunktsetzung auch in sehr unterschiedlicher Form erfolgt ist. Wir haben um Beiträge zu „Ihren Sprachen und Ihrem persönlichen Umgang mit diesen“ gebeten und thematisch lediglich ein paar Stichworte vorgegeben. Da das Thema ein sehr persönliches ist, haben wir als Herausgeber/innen nicht in die Texte eingegriffen. Daraus ist ein sehr abwechslungsreicher Band entstanden, den wir in vier Teile grob nach Altersgruppen gegliedert haben. In der ersten Gruppe werden die Selbstzeugnisse von Menschen zusammengestellt sind, die den 2. Weltkrieg miterlebt haben und deren Mehrsprachigkeit oft auch mit Kriegsgeschehnissen (Flucht, Emigration, Widerstand) in Zusammenhang steht bzw. die aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit besonders sensibilisiert und auch besonders gefährdet waren und daher verfolgt wurden. Der vierte und letzte Teil sammelt hingegen die Beiträge jener, die ihre Mehrsprachigkeit als etwas ausschließlich Positives erleben und die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu mehreren Sprachen und Kulturen keine oder kaum schwierige Situationen erlebt haben oder diese nicht thematisieren, vielleicht manchmal bewusst oder unbewusst nicht thematisieren wollen. Im zweiten Kapitel der um die 50-Jährigen können die Beiträge grob als Lebensberichte beschrieben werden, während im dritten Kapitel unterschiedliche Aspekte wie die Zugehörigkeit zu einer österreichischen Minderheit oder die Erziehung der Kinder in einem mehrsprachigen Haushalt schwerpunktmäßig problematisiert werden. Insgesamt ist es gelungen, viele verschiedene Facetten der individuellen Mehrsprachigkeit einzufangen, wobei in fast allen Beiträgen sowohl trennende als auch verbindende Elemente der Vielsprachigkeit zu Tage treten. Der Titel ‚Trennendes – Verbindendes‘ soll jedoch als Bewegung hin zu einer vielsprachigen Gesellschaft verstanden werden, der es gerade aufgrund ihrer Vielsprachigkeit gelingen kann, die trennenden Aspekte auszugleichen.