Gröll, Ilse: Sprachen in Kolumbien

Ilse Gröll: Sprachen in Kolumbien. Ihre Wahrnehmung in der Verfassung von 1991 (= Beihefte zu „Quo vadis, Romania?“, hrsg. v. Georg Kremnitz, Bd. 15). ISBN 978-3-7069-0209-0. Broschiert, 2003, 137 Seiten. €-A 28,80; €-D 28,00

Im Zentrum der vorliegenden Untersuchung steht die Analyse der soziolinguistischen Gegebenheiten und sprachenpolitischen Entwicklungen in Kolumbien, wobei das Hauptaugenmerk auf jenen Veränderungen liegt, die mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung, die am 2. Juli 1991 in Kraft trat, in Zusammenhang stehen. In dieser Verfassung wird Kolumbien als multiethnischer und multikultureller Staat definiert, und im Einklang damit ist eine Aufwertung der zahlreichen Minderheitensprachen vorgesehen. Werden die meisten in diesem Kontext in erster Linie an die indianischen, autochthonen, indigenen oder amerindischen Sprachen (diese Begriffe werden in den Ausführungen gleichbedeutend und neutral verwendet) denken, scheint es jedoch angebracht, zumindest am Rande auch auf die Situation der Sprecher der beiden in Kolumbien (noch) existierenden Kreolsprachen Palenquero und Bende einzugehen, die im Dorf Palenque de San Basilio bzw. auf dem Archipel San Andrés y Providencia (noch) gesprochen werden. Denn es soll hier nicht derselbe Fehler begangen werden, der sämtlichen kolonialen und republikanischen Machthabern Kolumbiens unterlaufen ist: bei indianischen und afro-kolumbianischen Bevölkerungsgruppen ein unterschiedliches Maß anzusetzen.