Wimmer, Herbert J.: In Schwebe halten. Elfriede Gerstl

Wimmer, Herbert J.: In Schwebe halten. „Spielräume“ von Elfriede Gerstl, ein Diskursbuch literarischer und gesellschaftlicher Entwicklungen der 60er- und 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts. ISBN 978-3-901126-76-5. Broschiert, 2. Aufl., 1998, 138 Seiten. €-A 18,40; €-D 17,90

„Spielräume“ von Elfriede Gerstl ist ein Buch, das in Parallellektüre mit Konrad Bayers „der sechste sinn“ und Oswald Wieners „verbesserung von mitteleuropa. roman“ exemplarisch die starken Wechselbeziehungen zwischen Autoren der „Wiener Gruppe“ und ihrem literarischen wie personalen „Umfeld“ sichtbar werden lässt. Mit kritischer Sympathie zu den Bezugstexten entwickelt Gerstl zwischen 1965 und 1971 eine diskursive Prosa, die nicht nur das erkenntnisphilosophisch-sprachkritische Themenrepertoire verarbeitet, sondern dieses im Diskurs um die sich entwickelnden emanzipatorischen Perspektiven etwa des feministischen Denkens oder der Handlungsweisen der Studentenbewegung erweitert. Gleichzeitig gelangt Gerstl zu Einsichten in naturwissenschaftliche Zusammenhänge, die erst in den 90er-Jahren als Formulierungen chaostheoretischer Positionen allgemeinere Verbreitung gefunden haben. In Wien und Berlin und auf der Reise zwischen beiden Städten sich ereignend, zeigt die Schreibhaltung von „Spielräume“ ein Koordinationssystem deutschsprachiger moderner Literatur auf, dessen poetische und intellektuelle Anziehungskraft als unverminderte Akutalität gegenwärtig ist. Die vorliegende Analyse versucht, auf diese Evidenzen hinzuweisen und das vielfältige IN SCHWEBE HALTEN des Primärtextes als wesentlichstes Moment seiner Strukturierung herauszuarbeiten: gleichzeitig ist die Untersuchung ein Beitrag zur Produktions- und Publikationsgeschichte österreichischer deutschsprachiger Literatur seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts.