Polt-Heinzl, Evelyne (Hg.): Hertha Kräftner

Polt-Heinzl, Evelyne (Hg.): „Zum Dichten gehört Beschränkung“. Hertha Kräftner – ein literarischer Kosmos im Kontext der frühen Nachkriegszeit. ISBN 978-3-7069-0263-2. Broschiert, 2004, 170 Seiten. €-A 24,00; €-D 23,30

Die Literaturgeschichte kennt immer wieder Fälle, wo das eigentliche Werk in der Rezeption hinter dem biografischen Moment zu verschwinden droht. Vor allem bei Autorinnen scheint die Wahrnehmung leicht diese Richtung einzuschlagen. Hertha Kräftner ist dafür ein besonderes Exempel. Das hat auch mit der Tragik ihres kurzen Lebens zu tun, dem sie noch nicht 23jährig selbst ein Ende setzte. Dazu kommt die spezifische Situation nach 1945: Der Auftritt der jungen Autorinnen im paternalistischen Literaturbetrieb verstörte die durchgängig männlichen Literaturkritiker und „Förderer“ wie Hans Weigel oder Hermann Hakel. Ihre verzerrte Perspektive auf die jungen Autorinnen, von denen sie sich wie im Fall Ingeborg Bachmann zudem an literarischer Bedeutung rasch überholt sahen, prägte die Rezeption über Jahrzehnte und verdeckte mit der Dominanz autobiografischer Lesarten das Interesse für literarische Fragestellungen. Die Beiträge in diesem ersten Sammelband zu Hertha Kräftner lesen ihr Werk nicht als „integrierten Lebensroman“, sondern als Textwerkstatt einer sorgfältig konzipierenden Autorin. Im Mittelpunkt stehen Hertha Kräftners Poetologie, ihre literarischen Traditionen und ihr literarisches Selbstverständnis als junge Autorin in den unmittelbaren Nachkriegsjahren. Die Ergebnisse dieser ersten Relektüren eröffnen einen völlig neuen Blick auf Kräftners Liebeslyrik ebenso wie auf ihre literarischen Verfahrensweisen und die in den Texten verarbeiteten kritischen Zeitbezüge. Die Beiträge können so eine nötige Richtungskorrektur in der Rezeption einleiten und neue Impulse setzen für eine analytische und genaue Arbeit an und mit ihren Texten