Puchalski, Lucjan (Hg.): Paul Weidmann

Puchalski, Lucjan (Hg.): Paul Weidmann: „Die schöne Wienerinn“ und „Die Mütter“. (= Edition Praesens Textbibliothek (EPTB), Bd. 2). ISBN 978-3-7069-0185-7. Broschiert, 2004, 164 Seiten. Fachgebiet: Editionen. €-A 26,90; €-D 26,20

Die Edition der beiden Stücke von Paul Weidmann soll dem wachsendem Interesse der Forschung an der Person und dem Schaffen des Wiener Theaterschriftstellers Paul Weidmann entgegenkommen. Sein Schaffen, von dem nur sein Faust-Drama von 1775 nicht ganz der Vergessenheit anheimfiel, beschäftigt seit einigen Jahren zunehmend das Wissen und Gewissen der Literaturhistoriker. Mit der geplanten Ausgabe soll das Gesicht eines engagierten Josephiners gezeigt werden, der Paul Weidmann war. Sowohl „Die schöne Wienerin“ als auch „Die Mütter“ sind kritische Zeitstücke, die aktuelle Themen aufgriffen, und zwar mit demselben polemischen Eifer, aus dem später die streitlustige josephinische Broschürenliteratur hervorgegangen ist. Auf dem Boden einer nach wie vor lebendigen barocken Theaterkultur suchte Weidmann neue aufklärerische Ansätze zu erarbeiten und er wusste sich dabei geschickt dem herrschenden literarischen Geschmack anzupassen. Mit der Neuausgabe seiner Stücke „Die schöne Wienerin“ und „Die Mütter, oder: Wie soll man denn euch Mädchen ziehen?“ soll die europäisch-aufklärerische Spur im Bild des östereichischen Theaters im späten 18. Jahrhundert exponiert werden. Diese Spur besaß dabei gleichzeitig eine unverkennbare Wienerische Note – Weidmann ließ seine Stücke in der Wirklichkeit der österreichischen Hauptstadt spielen und bezog sich oft auf lokale Verhältnisse und Ereignisse, in denen das damalige Publikum ohne Mühe seine eigene Lebenswelt wiedererkennen konnte. Der lokale Bezug trug sicher zum Erfolg der beiden Werke bei, und er kann auch heute noch interessant erscheinen. Paul Weidmann soll damit als ein Wiener von europäischem Format gewürdigt werden.