Grünzweig, Friedrich E.: Runen auf Waffen

Grünzweig, Friedrich E.: Runen auf Waffen. Inschriften vom 2. Jahrhundert n. Chr. bis ins Hochmittelalter (= Wiener Studien zur Skandinavistik (WSS), hg. von Robert Nedoma und Sven Hakon Rossel, Bd. 11). ISBN 978-3-7069-0227-4. Broschiert, 2004, 203 Seiten. €-A 26,00; €-D 25,30

Die Runologie ist eine fächerübergreifende Disziplin, und ein gewisses Grundlagenwissen in vielen Wissenschaften stellt eine nicht zu vernachlässigende Hilfe dar. An erster Stelle stehen wohl Sprachwissenschaft und Archäologie. Über erstere muß nicht viel gesagt werden. Die Archäologie ist doch einige Erwähnungen wert. Ein wichtiges Detail für die Interpretation jeder Inschrift stellt die Datierung dar. Allzuoft wird diese in absoluten Zahlen angegeben, ohne in irgendeiner Form nachvollziehbar zu sein. Man muß sich etwas mit den Methoden der Datierung vertraut machen, um die von archäologischer Seite gebotenen Daten auch nachvollziehen und verwerten zu können. Es stellt für einen aus der philologischen Richtung kommenden Runologen keine Schande dar, die Ausführungen eines Archäologen eins zu eins zu übernehmen, doch sollten diese in ihren Grundzügen nachvollzogen werden können, um nicht in völlige Abhängigkeit zu geraten. Aber auch andere aus der Archäologie gewonnenen Erkenntnisse können wichtige Details liefern, wie sozialer Status, Beziehungen nach außerhalb etc. Man trifft immer wieder auf die landläufige Meinung, daß gerade Waffen einen typischen Träger für eine Runeninschrift darstellen. Dies ist auch von Zeit zu Zeit in der populärwissenschaftlichen Literatur zu finden. Waffeninschriften sind aber in vielen Schriftkulturen vertreten. Den ältesten mir bekannten Fall stellt ein goldener Dolch aus einem der Königsgräber von Ur mit dem Piktogramm ,Vernichtung‘ dar, oder um ein „exotisches“ Beispiel zu nennen, eine iberische Falcata trägt eine Inschrift. Die Fragestellung lautet: bilden die Runeninschriften auf Waffen eine besondere Gruppe innerhalb der gesamten runischen Überlieferung? Immerhin stellen sie doch einen beträchtlichen Anteil der ältesten Runeninschriften dar. Bleibt dieser hohe Prozentsatz im Laufe der Jahrhunderte gleich? Bereits der Aufsatz von Klaus DÜWEL 1981 zeigt, daß dem nicht so ist. Allerdings hat sich die Anzahl der Inschriften seitdem doch um einige erhöht, interessanterweise aber v.a. bei denen aus ältester Zeit. Eine andere Fragestellung ist, inwieweit Einflüsse aus anderen Schrifttraditionen (v.a. der lateinischen) zu verzeichnen sind. Diese und viele andere Fragen werden im vorliegenden Buch beantwortet.