Kühne, Lena: Ibsen im Spiegelkabinett

Kühne, Lena: Ibsen im Spiegelkabinett. Verfremdung der Gesellschaftsdramen Henrik Ibsens in Parodien und verwandten Rezeptionsformen im deutschen und skandinavischen Sprachraum (= Wiener Studien zur Skandinavistik (WSS), hg. von Robert Nedoma und Sven Hakon Rossel, Bd. 10). ISBN 978-3-7069-0226-7. Broschiert, 2004, 304 Seiten. €-A 32,00; €-D 31,10

Henrik Ibsen ist Teil der Weltliteratur und des Welttheaters. Schon zu Lebzeiten genoß er so große Aufmerksamkeit, daß man ihn – berühmt und berüchtigt, wie er war – auch ins literarische Spiegelkabinett zog, um sich über die Verzerrungen zu amüsieren oder um die vermeintlichen Fehler, Schwächen oder Stärken seiner Dramen zu verdeutlichen. Ins Blickfeld geriet dabei aber nur, was die Öffentlichkeit interessierte. Dazu gehörten in erster Linie Themen, die den Nerv der Zeit trafen. Gerade dies gelang Ibsen in seinen zwölf Gesellschaftsdramen, denn Auseinandersetzungen über Sittlichkeit, Moral, Religion, die Psyche der Menschen, die Stellung der Frau, Kritik an sozialen Ungleichheiten usw. waren im gesellschaftlichen Leben am Ende des letzten Jahrhunderts an der Tagesordnung. Sie wurden von Ibsens Zeitgenossen heftig diskutiert, riefen einerseits Begeisterung und andererseits auch so große Ablehnung hervor. Für die vorliegende Studie, die sich auf den deutschen und skandinavischen Sprachraum beschränkt, wurden Informationen über 79 Texte gefunden. Neben Ibsenbibliographien, die nur wenige Texte auflisten, haben Arbeiten zu Parodietheorie, Kabarett- und Theatergeschichte sowie Randbemerkungen und Fußnoten von Sekundärliteratur zu Ibsen Hinweise auf Texte geliefert. Außerdem lassen sich rein zufällig beim Durchblättern von Literaturzeitschriften, satirischen Magazinen und Parodieanthologien Texte entdecken. Neben der systematischen Durchforstung der genannten Medien würde die Suche in Archiven von Theatern und Polizeidirektionen (Zensurbehörden) zweifellos zu einer Vergrößerung des Textkorpus führen. Es ist jedoch nicht das Ziel dieser Untersuchung, eine vollständige Bibliographie zusammenzustellen, sondern mit einem geeigneten theoretischen Ansatz das gefundene Material zu beschreiben. Da die Bedeutung Ibsens Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum ebenso groß war wie im skandinavischen und sein Werk für die Neuere deutsche Literaturwissenschaft nach wie vor wichtig ist, soll diese Studie auch Germanisten ohne Kenntnis der skandinavischen Sprachen dienlich sein. Deshalb folgen auf alle skandinavischen Zitate Übersetzungen in eckiger Klammer.